Ich soll meinem Therapeuten die Zunge rausstrecken!

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Puls- und Zungendiagnose beim TCM-Therapeuten 

Wenn ich zu meinem Therapeuten für TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) gehe, dann stellt dieser mir nicht nur ganz viele Fragen, sondern er schaut sich auch meine Zunge an und tastet nach meinen Pulsen an beiden Handgelenken.

Warum macht er das?

Wir Therapeuten wollen nicht nur die aktuellen Symptome verschwinden lassen, sondern auch die Ursache dafür feststellen, dieser auf den Grund gehen und dann wenn möglich beseitigen.

In der TCM sind nicht nur die Symptome für eine genaue Diagnose ausschlaggebend, sondern auch Lebensumstände, Emotionen, Ess- und Trinkverhalten, Alltagsleben, Vorerkrankungen u.v.m..

Die Zunge des Patienten zeigt uns über Form, Farbe, Feuchtigkeitsgehalt und Belag, gesunde wie auch pathogene (kranke) Anzeichen, sowie in welchem Bereich des Körpers sich etwas abspielt.

Bei den Pulsen ertasten wir innere und äußere Organe, sehen an der Pulsquantität und -qualität eine Abweichung der Norm.

Erst dieses Gesamtbild aus Zungen-, Pulsdiagnose und ausführlicher Befragung lässt uns eine genaue chinesische Diagnose stellen. Daraufhin wird ge- und behandelt.

Nehmen wir als Beispiel das Krankheitsbild Bluthochdruck.

In der TCM hat Bluthochdruck DREI verschiedene Ursachen und jede Ursache ist individuell zu behandeln.

  1. Bluthochdruck durch aufsteigendes Leber – Yang: westliche Symptome sind: pulsierende Kopfschmerzen, trockene Augen mit Rötungen, Tinnitus, plötzlicher Drehschwindel, Schlafstörungen (Träume), Benommenheit

  2. Bluthochdruck durch Nieren – Yin – Mangel: westliche Symptome sind: gerötete Wangen, Nachtschweiß, kraftlose Unruhe, chronische Lendenwirbelsäule- und Kniebeschwerden, heiße Handflächen, Fußsohlen, Brustkorb

  3. Bluthochdruck durch Leber – Blut – Mangel: westliche Symptome sind: Sehstörungen, Schlafstörungen, Mattigkeit, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Schwindel, Gedächtnisstörungen, Depression

Die Symptome bekomme ich vom Patienten gesagt. Die Ursachen davon sehe ich auf der Zunge und in den Pulsen und erfahre Genaueres durch die gezielte Befragung. Daraufhin kommt es zur Therapie durch Ernährung, Bewegung, chinesische Kräuter und Akupunktur, evtl. Ordnungstherapie, ganz individuell auf den Patienten abgestimmt.

Im Falle unseres Beispiels:

  1. Leber - Yang muss abgesenkt werden, Leber - und Nieren – Yin genährt werden
    Dies kann ich erreichen durch ausgleichende Bewegung wie tägliches spazieren gehen, Qi Gong, leichter Dauerlauf, etwas Stressabbauendes, Durchatmen!Dazu eine Ernährung mit neutral kühl/kalten Lebensmitteln, die den sauren, bitteren und natürlich-süßen Geschmack innehaben, am besten mit Funktionskreisbezug Leber und Niere.Die chinesischen Kräuter werden ähnlich verschrieben.Bei der Akupunktur werden Nadeln gesetzt, die die Pulse ausgleichen, die auf der einen Seite Wind und Hitze aus dem Leber-Yang herausnehmen, auf der anderen Seite Leber- und Nieren – Yin fördern. Dies kann jedoch nur individualisiert geschehen.
  2. Nieren – Yin muss genährt werden
    Hier braucht es viel Entspannung, nichts was uns zum Schwitzen bringt und weiter an unseren Kräften zehrt! Auf die Atmung achten!Bei der Ernährung auf neutrale und kühle Lebensmittel mit salzig und natürlich-süßem Geschmack achten mit Bezug auf die Funktionskreise Niere und Milz.Die Kräuterrezeptur wird dementsprechend angepasst.Die Akupunktur fördert das Nieren – Yin, leitet evtl. Hitze aus, auch hier wieder individuell auf den Patienten angepasst.
  3. Leber – Blut muss genährt, die Leber, Milz und Magen gestärkt werden
    Entspannung und Qi Gong, mit Achtung auf die Atmung!Es sollten neutrale und kühle Lebensmittel bevorzugt werden, die den natürlich-süßen und sauren Geschmack innehaben, sowie Bezug zum Leber- und Milz- Magen- Funktionskreis haben.Auch hier die entsprechende Anpassung der chinesischen Kräuterrezeptur.Die Akupunktur stützt die Funktionskreise Leber und Milz / Magen, leitet evtl. pathogene Faktoren aus, je nachdem, welche in der Diagnose eine Rolle spielen.

Ich kann also nicht für eine Diagnose einfach nur ein Medikament verschreiben, sondern muss mir den Patienten genau anschauen, ihm zuhören, mir für ihn Zeit nehmen, um dann die richtige Therapie für ihn auswählen und anwenden zu können, auch wenn diese dann etwas länger dauert.

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